Fossile Energien abschalten

Die Lieferkette von Fracking-Sand

Mine für Fracking-Sand in Wisconsin
FRACTRACKER

Fracking von Gas und Öl hängt davon ab, dass Gestein gewaltsam geöffnet wird, normalerweise durch Sprengstoff, wonach eine giftige Lösung aus Wasser, Chemikalien und Sandkörnern mit Hochdruck hineingepumpt wird. Riesige Mengen – bis zu 25 000 Tonnen pro Quelle – von diesem Frackingsand vergrößern die aufgesprengten und unter Druck gesetzten Risse im Gestein.

Bis 2018 dominierten Minen aus dem mittleren Westen der USA den Frackingsand-Nachschub. Seit Mitte 2017 sind in einem verzweifelten Rettungsmanöver der stark verschuldeten Frackingindustrie ungefähr zwei dutzend Minen in der Permian-Basin-Region eröffnet worden. Die Frackingindustrie versucht, durch die Förderung von schlechter geeignetem aber billigerem Sand Kosten zu sparen. Diese Minen könnten Ende 2019 zwei Drittel des Bedarfs an Frackingsand in den USA liefern1.

Frackingsand-Minen in den USA

RBN Energy

Frackingsandminen im Permian Basin

RBN Energy

Außer dass sie die schmutzige Förderung von fossilen Rohstoffen fördern, indem sie eine wichtige Komponente liefern, sind Sandminen selbst zerstörerisch, energiehungrig und verschmutzen Wasser. Die erforderlichen Schritte2:

  • Bäume, Büsche und andere Vegetation töten und forträumen
  • Mutterboden abtragen und dadurch die Mikroben-Gemeinschaften abtöten, von denen seine Fruchtbarkeit abhängt
  • Sandstein sprengen, ausgraben und zerbrechen
  • Diesen mit LKWs oder Förderband zu einer Aufbereitungsanlage transportieren, die entweder bei der Quelle oder woanders ist
  • Sand waschen, trocknen, untersuchen und sortieren
  • Sand mit Zug und/oder LKW transportieren

Transporte per Zug und LKW sind anfällig: Zuglinien sind durch Blockaden und mithilfe von Starterkabeln unterbrochen worden, wenn auch einzelne Zwischenfälle keine weiteren oder lang anhaltenden Resultate haben. LKW-Transport ist dezentralisiert, weshalb es schwer ist, darauf Einfluss zu nehmen. Aber 2019 erwarten Industrieanalyst*innen fast 6 000 Rundfahrten von Sand-LKWs pro Tag, mit denen Sand von einem Ballungsgebiet von Sandminen zwischen dem Midland- und dem Delaware-Becken transportiert werden. Fernstraßen in der Nähe der Minen werden zu potentiellen Engpässen.

Frackingsand ist vielleicht am angreifbarsten in den Phasen, die vom Stromnetz abhängen, einschließlich während seines Transports auf Förderbändern, in Aufbereitungsanlagen und während des Ver- und Entladens auf Züge und LKWs. Wenn die Elektronen aufzuhören zu fließen, passiert dem Sand dasselbe. Die Industrie geht mehr und mehr zu einem Fließbandbetrieb über, der zu Effizienzgewinnen führt, wenn alles läuft wie geplant, der aber auch sehr leicht einer Kettenreaktion von Ausfällen anheimfallen kann. Wenn Frackingstandorte auf Just-in-time-Sandlieferungen angewiesen sind, können außergewöhnliche Verzögerungen zu überproportionalen Kosten führen. RBN Energy erklärt3:

Das hydraulische Fracking einer typischen Quelle im Permian-Becken, die 3km breit ist, benötigt ungefähr 12 500 Tonnen Frackingsand – genug Sand, um mehr als 500 große Sand-LKWs zu füllen. Dieser Sand muss bereitstehen – geliefert, entladen, gelagert und für die Verwendung vorbereitet werden. Wenn dies nicht passiert, wird die Offenlegung der Quelle und der Beginn der Produktion verzögert werden oder der Frackingprozess wird nach seinem Beginn gestoppt werden – eine Todsünde in der Welt des Fracking.

Einen stetigen Nachschub an Frackingsand hin zu diversen Quellen im Permianbecken und anderen Schiefergebieten sicherzustellen ist wie Flugsicherung […] Das Ziel ist es, Fahrzeit und Wartezeit zu minimieren – entweder bei der Sandmine (wo der Sand verladen wird) oder auf dem gepachteten Gebiet, wo lange Schlangen dazu führen können, dass Fahrer*innen stundenlang warten müssen, wenn die Geschwindigkeit der Lieferungen nicht richtig gemanagt wird.

Probleme bei zentralisierten Verladestellen können Effekte auf mehrere Frackingstandorte haben. Ein Beispiel ist die Black-Mountain-Sandmine4:

Eine Armee von LKWs ist notwendig, um so viel Sand zu den Orten zu transportieren, an denen gefrackt wird. Und sie müssen auf effiziente Weise in die Minen rein und wieder raus kommen. Ein automatisiertes System, das weiß, welcher Sand auf welchen LKW soll, beschleunigt das System. Aber die LKWs kommen so schnell nach, dass sich in der Schlange schnell ein Stau bilden kann. An einem Nachmittag letztens standen mehrere LKWs an. An einem wirklich hektischen Tag stehen bis zu 100 an.5

Eine Blockade durch Aktivist*innen, ein Stromausfall, Störungen der Beladeausrüstung oder Schäden an der Hardware oder Software des automatisierten Systems würden den Beladeprozess viel ineffizienter machen – oder ihn vielleicht ganz lahmlegen.

Das größere Ganze

Anfang 2019 ist die Sandförderung in der Bustphase6 des typischen Boom-und-Bust-Zyklus von Gebrauchsgütern. Mehrere Minen sind im Leerlauf.7 Eine Störung des Nachschubs von einer Mine oder einer Aufbereitungsanlage kann einfach durch andere Minen behoben werden; wenn Aktivist*innen die Stilllegung einer Mine oder Anlage erzwingen würden, könnte der Betrieb in den Minen, die im Leerlauf sind, wieder aufgenommen werden, um die Nachfrage zu bedienen. Auf Minen, Aufbereitungsanlagen oder dezentralisierten Transport abzuzielen, wäre Teil einer Zermürbungsstrategie und würde vermutlich keine systemischen Auswirkungen haben.

Im Gegensatz dazu sind LKW-Beladestationen die Transportengpässe vor der letztendlichen Reise zu den Bohrorten. Ein Betriebsausfall in diesen Stationen würde den kritischen Nachschub von Sand hin zu mehreren Fracking-Operationen auf einmal aufhalten, daher wäre es wahrscheinlicher, dass so eine Kettenreaktion von Ausfällen ausgelöst werden könnte.


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