Fossile Energien abschalten

Winnie Puuh über fossile Energie

Im allerersten Kapitel des ersten Buches über ihn imitiert Winnie Puuh mit seinem menschlichen Freund Christopher Robin den Aufstieg und Fall des Industrialismus. Wir können aus dieser Geschichte lernen.


"Ich bin natürlich eine kleine Regenwolke!"

Während Winnie Puuh durch den Wald geht, hört er einen Bienenstock auf einem Baum. Sein innerer Monolog bringt ihn von „Der einzige Grund, eine Biene zu sein, ist es, so weit ich weiß, Honig zu sammeln“ hin zu „Und der einzige Grund, Honig zu sammeln, ist, damit ich ihn essen kann.“ Also entscheidet er sich, den Bienenstock zu plündern.

Sein erster Versuch, den Baum zu erklimmen, ist ein kompletter Fehlschlag, also setzt er einen Ballon ein, um an den Bienenstock zu kommen. Nachdem er Puuh diese Technologie zugänglich gemacht hat, beteiligt sich Christopher Robin an einem kunstlosen Täuschungsversuch und versucht die Bienen davon zu überzeugen, den schlammbedeckten Puuh als Regenwolke zu sehen.

"Ich bin natürlich eine kleine Regenwolke!"

Wie nicht anders erwartet, lassen sich die Bienen nicht täuschen und reagieren auf diese versuchte Ausbeutung mit wütender Selbstverteidigung. Winnie Puuh, der nun in einer gefährlichen Lage ist, aber Angst hat, den Ballon loszulassen, weist Christopher Robin an, den Ballon herunter zu schießen. Der erste Schuss trifft und verletzt versehentlich Puuh, aber der zweite lässt die Luft aus dem Ballon und Puuh kehrt sicher zum Boden zurück.


"Ich bin natürlich ein kleiner grüner Kampfjet!"
Biospritbetriebener Kampfjet 'Green Hornet'

"Ich bin natürlich eine kleine grüne Pflastermaschine!"
Biospritbetriebene Bauflotte

"Ich bin natürlich eine kleine grüne Autofabrik!"
Bentley-Fabrik, Crewe, England

Unsere Gesellschaft behandelt nichtmenschliche Lebewesen so, wie Winnie Puuh die Bienen behandelt – als hätten sie keinen Lebenszweck außer unsere Wünsche zu bedienen. Wir nutzen sie, ihre Lebensräume und ihre Kreationen aus, ohne ihnen etwas zurückzugeben. Wir nutzen fossilen Energien, um vorher unzugängliche Weiten und unvorstellbare Tiefen zu erreichen, und reißen so viel an uns, wie wir können.

Genau wie Puuh und Christopher zusammenarbeiten, um Puuhs Überfall zu ermöglichen, bauen und unterhalten einige von uns Technologien für Energieproduktion, Bergbau, Materialverarbeitung, Transport, Finanzwesen, Telekommunikation, Verwaltung und Informationsaustausch. Wie die „kleine schwarze Regenwolke“ geben sich einige von uns mithilfe von Biosprit, Solarzellen und Bioetiketten als „grün“ aus und andere spielen bei dieser absurden Täuschung mit. Wir alle hoffen, dass die Natur unsere Grünfärberei nicht bemerken wird, während unsere Maschinen die Rohmaterialien für unsere Luxusgüter aus ihr herausreißen.

"Ich bin natürlich ein kleiner grüner Kampfjet!"
Biospritbetriebener Kampfjet 'Green Hornet'

"Ich bin natürlich eine kleine grüne Pflastermaschine!"
Biospritbetriebene Bauflotte

"Ich bin natürlich eine kleine grüne Autofabrik!"
Bentley-Fabrik, Crewe, England

Wir haben das unangenehme Bewusstsein, dass unsere einseitige Beziehung mit der Natur uns in eine gefährliche Lage gebracht hat, aber wir können sie nicht aufgeben. Fossile Energien bringen uns in Gefahr, schon… aber dann ist da diese unwiderstehliche Verheißung von immer noch mehr Schnickschnack. Und wie Winnie Puuh sind wir von unserer Technologie abhängig geworden. Es scheint, als wäre der Fall zu weit, wenn wir sie aufgeben, daher können wir nicht an unseren kurzfristigen Ängsten vorbei auf die langfristigen Vorteile sehen.

Wir brauchen einen Christopher Robin, der tut, was wir nicht tun können oder wollen – den von fossilen Energien abgetrieben Industrialismus, an dem wir uns festklammern, abschalten.

Wie die Bienen zunehmend wütend auf Winnie Puuh werden, reagiert die Erde immer stärker und strenger auf unsere Vorstöße – mit größeren und häufigeren Bränden, Dürren, Stürmen und Überflutungen. Aber im Gegensatz zu Puuh, der den Boden nicht mit zerbrochenem Glas und spitzen Metallstücken bedeckt hat, ist uns eine schmerzhafte Landung sicher. Unsere industriellen Aktivitäten haben Wasser, Boden und Luft vergiftet, das Klima destabilisiert, den Mutterboden abgetragen, die Flüsse gestaut und die Wälder gerodet, die wir zum Überleben brauchen werden – und tun dies weiterhin, immer schneller. Und während Puuh nur sich selbst in Gefahr bringt, gefährden wir nichtmenschliche Wesen – Individuen, lokale Populationen und ganze Spezies – denen gegenüber wir Verpflichtungen haben und von denen wir abhängen.

Wir brauchen Christopher Robins, die so bald wie möglich schießen. Hoffentlich ist es nicht zu spät dafür, dass sie uns eine sanfte Landung ermöglichen mit den relativ schrittweisen Taktiken des zivilen Ungehorsams und der Ökosabotage anstatt des militanten Widerstands. Aber sie können nicht auf die Gelegenheit zu einem perfekten Schuss warten, der uns unmöglich verletzen kann. Während wir die Erde weniger bewohnbar machen, kommen unter dem Strich jeden Tag 227 000 Menschen dazu. Je länger unser wahnwitziges Experiment weitergeht, desto wahrscheinlicher ist es, dass am Ende ein Massensterben von menschlichen wie nichtmenschlichen Wesen steht.

Was wird deine Rolle in dieser Geschichte sein? Wirst du die tollkühne Fassade des grünen Industrialismus gutheißen und dafür mit gestohlenem Honig belohnt werden? Wirst du die Gefahr erkennen, dich aber hilflos an dem Ballon festklammern und dein Schicksal erwarten? Oder wirst du versuchen, unsere Gesellschaft wieder auf den Boden der Tatsachen zu bringen; wirst du mithelfen, die fossilen Energien abzuschalten?


Danke an Chief Caleen Sisk von den Winnemum Wintu, die die Parallele zwischen Winnie Puuh und unserer industriellen Kultur in ihrem Vortrag bei Earth At Risk gezeigt hat.


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